"Let us walk together...hand in hand. United in love & passion forever..."

                                                    

                                                          "Heimatlos"

Ende Dezember. Ein Wintermonat in irgendeinem Jahr. Eine einsame Landstraße irgendwo inmitten Europas. Ein Planwagen, gezogen von einem alten ausgemergelten Kaltblut. Zwei Menschen, ein Mann und eine Frau mittleren Alters, gehen neben dem Pferd das langsam im Schritt läuft. Der Mann rechts, die Frau links. Beide sind bis zum Kinn in dicke Mäntel und Tücher gehüllt. Ein eisiger Nordwind bläst ihnen unbarmherzig den ersten Schnee des Jahres ins Gesicht. Es ist erst Mittag, und doch ist der Tag dunkel, grau und leblos. Müde sind die Schritte der Menschen, müde die Schritte des Pferdes.

Da plötzlich bleibt dieses einfach stehen, sein Atem geht schwer und rasselnd, Blut rinnt ihm aus den Nüstern. Die Frau streichelt das Tier, in dessen Augen bereits die Ewigkeit steht.

"Das Pferd wird sterben. Es ist krank, kann den Wagen nicht mehr ziehen."

Der Mann blickt traurig auf die Frau, die Frau weint.

Wortlos beginnt er schließlich das Pferd auszuspannen. Kaum damit fertig, zieht er eine alte Pistole aus der Manteltasche, die Frau küsst das Pferd noch einmal auf die Stirn, worauf der Mann das Zugtier mit einem einzigen Schuss von seinen Qualen erlöst.

Mit Tränen in den Augen, sehen sich der Mann und die Frau an.

Sie wissen; auch zusammen werden sie den Planwagen nicht bewegen können...

Nach einigen schweigenden Minuten endlich, entschließen sie sich ihr letztes Hab und Gut einfach so zurück zu lassen. Seit Tagen hatten sie nichts mehr gegessen. Hatten nur gefroren und nach Wärme und einem Dach über dem Kopf gesucht. Doch nirgends wollte man sie haben! Mit den Hunden vom Hof gejagt hatte man sie. Sie als Bettelpack und Zigeuner bezeichnet, und ihnen sogar mit der "Obrigkeit" gedroht.

Ohne Hoffnung den nächsten Tag noch zu erleben, gingen sie weiter. Weiter auf einer Straße, die ins Nichts führte. Ringsumher verschneite Felder, Wiesen und Wälder. In der Ferne heulten Wölfe. Das Schneegestöber wurde stärker.

Die Frau blieb stehen, reichte dem Mann die Hand. Dieser nahm diese Hand, die eiskalt war, streichelte sie und küsste sie.

"Wohin gehen wir? Wohin können wir gehen? Wo wird man uns nicht wie Aussätzige behandeln? Wo werden wir endlich ein zu Hause haben? Sag mir, mein Gemahl, wann endlich werden wir Frieden finden?"

Doch der Mann wusste keine Antwort. Schüttelte nur mit dicken Tränen in den Augen den Kopf, und sah dabei ganz und gar aus wie ein Häuflein Elend das ohne Hoffnung war.

Die Frau hatte verstanden. Beide sich an den Händen haltend, gingen sie nun weiter. Ja, sie würden solange weiter gehen, bis ihre Beine, bis ihre Füße sie nicht mehr zu tragen vermochten. Sie wussten, dass sie am Ende dieses Tages nicht mehr leben würden.

Hunger und Kälte würden ihren gnadenlosen Tribut fordern.

Sie hatten auch nicht mehr den Willen, und auch nicht mehr die Kraft, dagegen anzukämpfen. Es waren schon zu viele Kämpfe in ihrem Leben. Zu viele verlorene Kämpfe.

Es war eine kalte und mitleidlose Welt, in der sie lebten. Die Menschen waren nur darauf bedacht das was sie besaßen zu vermehren, und auf gar keinen Fall mit Leuten denen weniger Glück beschieden war, zu teilen.

Kriege wurden geführt aus Neid, Habsucht, Gier, Hass und primitiven Machtgelüsten.

Nein, in dieser Welt war kein Platz für Menschen, die noch "die Schmetterlinge fliegen hören konnten".  Kein Platz für Träumer, kein Platz für romantische Geschichtenschreiber und sensible Querdenker.

Aus dem Schneetreiben war ein ausgewachsener Schneesturm geworden. Von der Frau und dem Mann ohne Heimat, war nichts mehr zu sehen. Der Abend brach herein. Ein Rudel Wölfe trottete über ein weites Feld. Der Sturm schien ihnen nichts auszumachen. Sie waren hungrig, suchten nach Nahrung.

Schemenhaft war eine kleine beleuchtete Stadt zu erkennen. Es war der Abend vor der heiligen Nacht!

Die Menschen würden zur Kirche gehen, zur Christmette, und sich für die "Ankunft Jesus Christus" bedanken. Danach würden sie sich, so wie jedes Jahr, den Bauch mit diversen Delikatessen vollschlagen und sich einen Dreck um die Menschen scheren, die in der Kälte der "heiligen Nacht" ihr Leben gelassen haben.

Monika "Nika" Wegner ( Ur-Väterlicherseits "von Thurau" / Ost-Preußen ) ...eine andere "Heimatlose"...

 

 

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